Neupositionierung im Milchregal – wie Cremo sich mit BrandPartner neu erfand
In einem hartumkämpften Markt wagt Cremo, der zweitgrösste Milchverarbeiter der Schweiz, einen grossen Schritt nach vorne: Gemeinsam mit der Agentur BrandPartner wurde die Markenidentität neu gedacht – strategisch wie gestalterisch. Ein Gespräch mit Daria Zwald, Design-Spezialistin bei Cremo, und Kerstin Gimenez, Creative Director bei BrandPartner, über Herausforderungen, Aha-Momente und das Resultat des Rebrandings im Kühlregal.
Frau Zwald, wie kam es zu diesem Projekt?
Daria Zwald: Unser Ziel war klar: Die Marke Cremo sollte relevanter, hochwertiger
und moderner werden – vor allem bei Milch, Rahm, Joghurt und Butter. Die Konkurrenz ist
enorm, da braucht es ein starkes Markenbild. Der erste Schritt bestand in der
Modernisierung des Logos, als Symbol für einen frischen Aufbruch. Anschliessend fanden
mehrere kollaborative Workshops zwischen dem Cremo-Marketingteam und der Agentur
BrandPartner statt, um die Markenidentität und deren visuellen Ausdruck grundlegend zu
überdenken. Der ursprüngliche Auftrag bestand darin, die Identitätsmerkmale von Cremo zu
stärken, zentrale Markenwerte zu definieren und sich klar gegenüber Mitbewerbern zu
differenzieren. Schon früh kristallisierten sich Authentizität, Tradition und die
Verbundenheit mit dem Schweizer Terroir als zentrale Achsen für die neue Markenidentität
heraus.
Frau Gimenez, wie gehen Sie bei so einer Markenpositionierung konkret vor?
Kerstin Gimenez: «Story» kommt von «history »: Wir tauchen immer in die
Geschichte einer Marke ein. Oft glaubt der Auftraggeber, es gäbe da «nichts Besonderes»
zu erzählen – und genau da wird es spannend. In der Tiefe der Marken- und
Unternehmensgeschichte sowie in der gelebten Markenrealität finden wir Erzählmomente,
die sich zur strategischen und kreativen Leitidee entwickeln lassen – und vor allem
echte Differenzierungspunkte. Unser Job ist es, diese zu identifizieren, zu verdichten
und so sichtbar zu machen, dass sie der Marke eine klare, unverwechselbare Position im
Markt verschaffen.
Daria Zwald: Genau so war es bei uns. Die Positionierung der Marke Cremo wurde in einem kooperativen und strategischen Prozess erarbeitet. Drei Workshops brachten die Teams von Cremo und BrandPartner zusammen. Gemeinsam analysierten wir die Markenidentität, das bestehende Sortiment sowie Cremos Rolle in den einzelnen Unterkategorien des Milchmarkts. Dabei wurden zentrale Markenwerte, Differenzierungsmerkmale und die einzigartige Position der Marke definiert. Zusätzlich wurden Erkenntnisse aus anderen Kategorien und Trends im Verpackungsdesign herangezogen. Am Ende dieses Prozesses entstand eine klare und einheitliche Positionierung, die sich auf starke Attribute konzentriert: die Leidenschaft für das Teilen, Authentizität, Wohlbefinden, Fachwissen, Tradition des Terroirs, Nähe und Lebenskunst. Diese Positionierung wurde anschliessend in Übereinstimmung mit der Geschäftsleitung von Cremo konsolidiert und validiert.
Kerstin Gimenez: Marken sind Identitäten – mit vielen Facetten. Das Gesamtbild wird umso kohärenter, je mehr Perspektiven und Sichtweisen der Beteiligten zusammenkommen. So arbeiteten wir uns Schritt für Schritt zu einer Positionierung vor, die genau zu Cremo passt und die im Alltag auch gelebt werden kann. Am Ende geht es nicht nur um ein Logo oder um Verpackungen, sondern um das gesamte Markengeschehen.
Wie wurde diese Strategie gestalterisch übersetzt?
Kerstin Gimenez: Wir schufen für Cremo eine kraftvolle, emotionale Designsprache
und speziell ein neues Siegel, das für fast 100 Jahre Fachwissen und handwerkliches
Können steht – und gleichzeitig zur Wiedererkennung und Differenzierung beiträgt.
Authentizität vermittelnde Illustrationen, ein natürliches Farbklima und die
handschriftliche Typografie stärken die Verbundenheit mit dem Terroir. Die
Gesamtanmutung ist modern und einladend. Das gesamte Design vermittelt Frische,
Vertrauen und Qualität. Und vor allem: Es bleibt den Werten von Cremo absolut treu.
Daria Zwald: Wichtig war uns auch die Wiedererkennung im Regal. Deshalb haben wir die bekannten Farbcodes – etwa Dunkelblau für Vollmilch, Hellgrün für Magermilch – beibehalten. So bleiben unsere Produkte für die heutigen Konsumentinnen und Konsumenten klar identifizierbar.
Wie hat das Cremo-Team auf das neue Erscheinungsbild reagiert?
Daria Zwald: Die Reaktionen im Team waren intensiv. Zunächst überwog die
Überraschung, denn das neue Erscheinungsbild bricht deutlich mit der bisherigen
visuellen Identität von Cremo. Doch genau dieser Bruch wurde schnell als Chance
wahrgenommen. Aus anfänglicher Skepsis wurde echte Begeisterung. Das Design wird heute
intern als frischer, dynamischer Impuls für unsere Hauptsortimente gesehen – modern,
aber mit klarem Bezug zu unserer Marken- DNA. Die Geschäftsleitung zeigte sich besonders
überzeugt vom neuen Positionierungskonzept und der kreativen Umsetzung durch
BrandPartner.
Gab es im Projektverlauf auch Hürden?
Daria Zwald: Ja, es gab zwei grosse Themen. Erstens die regionale Verortung der
Marke: Sollte Cremo als spezifisch freiburgisch oder eher als Westschweizer Marke
positioniert werden? In den Diskussionen wurde deutlich, dass universelle Werte wie
Terroir, handwerkliches Können und Tradition geeigneter sind, um Konsumenten in allen
Schweizer Regionen anzusprechen. Zweitens die sprachliche Feinabstimmung: In einem
mehrsprachigen Markt galt es, eine stimmige und emotionale Markenkommunikation in beiden
Sprachen zu finden. Durch enge Zusammenarbeit und gezielte sprachliche Anpassungen wurde
eine harmonische Lösung erzielt.
Kerstin Gimenez: Dazu kam die Herausforderung, ein Design zu entwickeln, das sich auf ganz unterschiedliche Produktgruppen und Verpackungsformate anwenden lässt – von der Milchverpackung bis zum Joghurtbecher. Unser One-fits-all-Ansatz stärkt nicht nur die Wiedererkennbarkeit im Regal, sondern das Markenbild und die konsistente Markenerfahrung über das gesamte Sortiment hinweg.
Wie wurde das neue Design am Markt aufgenommen?
Daria Zwald: Das Feedback von Handelspartnern und aus dem Markt ist durchweg
positiv. Die neuen Verpackungen wirken frischer, moderner und deutlich ansprechender im
Regal – ein klares Signal für die Qualitätswahrnehmung der Marke. Was die Verkaufszahlen
betrifft, ist es noch zu früh für eine umfassende Bilanz. Die Umstellung erfolgt
schrittweise, da wir uns bewusst entschieden haben, bestehende Verpackungsbestände
aufzubrauchen, statt zu vernichten. Erste Tendenzen sind jedoch vielversprechend.
Was geben Sie anderen Unternehmen mit, die Ähnliches planen?
Daria Zwald: Ein zentrales Learning dieses Projekts war die Bedeutung eines
kollaborativen Ansatzes. Die enge Einbindung der internen Teams von Anfang an
ermöglichte eine klare, gemeinsame Vision und stärkte den Teamzusammenhalt – jeder
konnte seinen Beitrag leisten. BrandPartner übernahm eine Leadfunktion: Die Agentur
strukturierte die Diskussionen, leitete den Prozess mit fachlicher Expertise und brachte
dank ihrer Erfahrung aus anderen Kategorien wertvolle Impulse ein. Unser Rat an andere
Unternehmen: Setzen Sie auf Co-Kreation mit den internen Teams – und auf einen
strategischen Agenturpartner, der hilft, eine starke, differenzierende Markenvision zu
entwickeln und umzusetzen.
Kerstin Gimenez: Unser Ziel ist es, eine Positionierung und eine visuelle Sprache zu entwickeln, mit der sich das Brand-Owner-Team voll und ganz identifizieren kann. Denn eine starke Markenstrategie funktioniert nur, wenn sie vom Team verstanden, mitgetragen und in allen Folgeaktivitäten konsequent umgesetzt wird. Deshalb entsteht eine gute Lösung immer von innen nach aussen – nur so ist sie authentisch und hat Bestand.
Daria Zwald und Kerstin Gimenez.